33 Tipps für einen erfolgreichen Auftritt

Autor:Roswitha Rudzinski

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Hier stelle ich Ihnen einen Leitfaden für gereimte und ungereimte Büttenreden zur Verfügung.
Dieser Leitfaden ist für Büttenredner und Büttenschreiber gleichermaßen interessant.
Die hier beschriebenen Punkte werden unter anderem auch in der Büttenredner-Fibel noch wesentlich ausführlicher und für jeden verständlich erläutert. Der Leitfaden ist nur eine ganz kurzer Ausschnitt mit den wichtigsten Themen aus der Büttenredner-Fibel.
Die Büttenredner-Fibel ist der ideale Ratgeber für das Selbststudium.

Leitfaden für gereimte und ungereimte Bütten- und Festreden
33 Tipps für einen erfolgreichen Auftritt
1. Das Thema: Bedenke den Eselsschrei: ia = interessant und aktuell (immer aktuell)

2. Das Thema: soll (muss) für jeden verständlich sein. Keine hochgestochenen Fachausdrücke verwenden, mit denen das Publikum nichts anfangen kann.

3. Sollten jedoch Fachausdrücke verwendet werden müssen, so zeigen Sie dem Publikum, daß der Vortragende selbst nichts oder nicht viel damit anfangen kann. Denn Sie werden kaum erwarten können, dass alle Zuhörer diese Fachausdrücke kennen und Verstehen. Es sei denn, sie halten diesen Vortrag vor einem speziell ausgewählten Publikum.

4. Das Grundthema muss sich wie ein roter Faden durch den gesamten Vortrag ziehen. Wahllos aneinandergereihte Witze und Glossen, die willkürlich ausgesucht wurden, weil sie vielleicht gut sind und bestimmt Lacher bringen, müssen sie vermeiden.

5. Das Thema muß zum Vortragenden passen. Besser ist es, etwas naiv oder sogar blöd zu erscheinen, als zu intelligent. Niemals klüger und intelligenter sein wollen, als das Publikum.

6. Bei gereimten Vorträgen sollte eine Einleitung, falls sie erforderlich ist, möglichst kurz und in zwei bzw. maximal drei Versen oder Sätzen erzählt sein.

7. Sätze dürfen nicht zu lang sein. Der Zuhörer muss einprägsame Sätze mühelos wiederholen können. (Das ist besonders wichtig für die Presse, die gerne solche Sätze zitiert).

8. Spätestens nach jedem zweiten Vers bzw. Satz sollte die Pointe kommen. Besser wäre es noch am Ende eines jeden Verses, was aber leider nicht immer realisierbar ist.

9. Die besten Pointen müssen für den Schluss des Vortrages aufgehoben werden. Wenn die Stimmung des Publikums auf dem Höhepunkt, und eine Steigerung so gut wie nicht mehr möglich ist, dann setzt man den Schluss an. Der absolute Knüller muss am Ende des Vortrages stehen. Alles was danach kommt, wird nicht mehr ankommen und der Vortrag verliert mit jedem weiteren Satz.

10. Dies ist auch für gereimte Vorträge wichtig. Der absolute Lacher/Brüller am Schluss wird jedem Zuhörer noch länger im Gedächtnis haften bleiben, als ein langsam und ruhig ausklingender Vortrag.

11. Keine Sätze oder Formulierungen verwenden, bei denen das Publikum lange nachdenken muss. Denn in diesem Moment wird der nachfolgende Text meistens überhört, weil man das Vorangegangene ja erst mal noch verarbeiten muss. (Besonders wichtig bei politischen oder themenbezogenen Vorträgen). Bei längerem Nachdenken oder sogar Rückfragen beim Nebenmann/Frau (was hat er/sie jetzt damit gemeint?) kann das Publikum den nachfolgenden Text nicht mehr richtig oder nur unvollständig aufnehmen und es verliert den Anschluss an den Vortrag. Dadurch verliert es auch das Interesse und hört nicht mehr richtig zu.

12. Deshalb: die einfachsten Gags kommen meistens am besten an, da das Publikum nicht erst lange nachdenken muss und sofort verarbeiten und lachen kann. Bedenken sie bitte: Je einfacher und je blöder der Witz/Gag ist, desto besser kommt er an. “Der Gag war einfach so blöd, dass er schon wieder gut war!” (Kommentar aus einer Zeitungskritik, die man sich mal durch den Kopf gehen lassen sollte!)

13. Bei allen Vorträgen sind die 5 W’s zu berücksichtigen: Wer, Was, Wann, Wo, Warum.

14. Besonders auf die Betonung des Vortragenden kommt es an. Schlechte oder eintönige (monotone) Betonung ist langweilig.

15. Jeder Vortragende steht und fällt mit seinem Text. Schlechter Text und schlechte Betonung sind für jeden Redner tödlich.

16. Das Publikum sollte nach Möglichkeit in den Vortrag mit einbezogen werden. Zum Beispiel einzelne Personen im Raum/Saal können direkt angesprochen oder zitiert werden.

17. Denken Sie an die Kunstpausen. In dieser Zeit kann das Publikum nachdenken, verarbeiten, lachen oder klatschen. Gut ist es, wenn man mit einer Kapelle zusammenarbeiten kann, welche die Kunstpausen musikalisch untermalt. Fangen Sie erst dann wieder an zu reden, wenn das Publikum ihnen wieder seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Wenn sie zu früh anfangen, und das Publikum noch unruhig ist oder noch klatscht oder lacht, werden ihre ersten Worte oder sogar der erste Satz nicht verstanden und der nächste Gag läuft ins Leere. Besonders wichtig für Neulinge, die vor lauter Nervosität ihren (meistens auswendig gelernten) Text schnell hinter sich bringen wollen.

18. Gestik und Mimik müssen intensiv geübt werden.

19. Der Text sollte vor einer Aufführung mehrmals vor neutralem Publikum (Familie, Verwandtschaft, Freundeskreis oder Büttenredner-Schule usw.) vorgetragen werden, damit man an den Reaktionen merkt, ob er ankommt. Fast immer muss er dann nochmals überarbeitet werden.

20. Gleich lange Sätze (bei Versform) wirken langweilig und können auch nicht immer effektvoll betont werden. Die allgemein beliebte Regel mit dem gleichmäßigen Versmaß sollte bei witzigen und humorvollen Vorträgen deshalb nicht immer angewandt werden (Allerdings: Ausnahmen bestätigen die Regel)!

21. Mundart kommt meistens besser an als reines Hochdeutsch.

22. Zweideutig ist besser als eindeutig. Nicht zu deutlich werden. Das Publikum braucht Spielraum, um seine eigene Phantasie zu entfalten. Ordinäre Ausdrücke sollte man ganz weglassen. Bei gemischtem Publikum (Männer/Frauen) muss man sehr vorsichtig sein. Ausdrücke, worüber Männer herzhaft lachen können, sind den meisten Frauen peinlich. (Und die Männer lachen dann auch nicht, weil sie nicht dürfen oder sich nicht trauen – weil die Frau dabei ist!). Deshalb ist mit solchen Sachen Vorsicht geboten. Genau so verhält es sich mit den Vortragenden. Wenn ein Mann etwas ausfallender wird, nimmt man es ihm nicht so übel, wie wenn eine Frau das tut. Tja, der kleine Unterschied !! Man kann sich durch die falsche Ausdrucksweise beim Publikum sehr unbeliebt machen. Vermeiden sie es. Bleiben sie sauber und überlassen sie es dem Publikum, sich schlechte Gedanken zu machen. Das kommt viel besser an. Zweideutig ist besser als eindeutig!!

23. Gehässigkeiten und Bissigkeiten – wohl dosiert und richtig eingesetzt, müssen zwar sein, können aber, wenn sie im Übermaß vorkommen, den/die Vortragende/n ebenfalls sehr unbeliebt machen.

24. Und nun kommt ein heißes Eisen! Kinder und Jugendliche! Hier ist ganz besondere Vorsicht geboten. Wenn die Kinder noch klein sind, dann sind Vorträge über das private Umfeld angebracht. Hier kommt das Altkluge und Kesse (etwas frech darf es schon sein) sehr gut an. Nur – hier liegt der Unterschied: Ein Kind – bis zu einer gewissen Altersgruppe – darf man nicht dümmer machen, als es ist.

25. Der Text sollte genau auf das Kind zugeschnitten (geschrieben) sein. Vermeiden sie alles, was anzüglich ist. Keine Kraftausdrücke (mit einigen Ausnahmen) oder unanständige Bemerkungen. Auch sollte man bei Kindervorträgen unterscheiden können zwischen kess und etwas frech (was meistens herrlich ankommt) und respektlos und unverschämt. Das Publikum kann sehr nachtragend sein.

26. Kinder und Jugendliche haben noch kein Gespür dafür, welcher Text gut ist und welcher nicht. Als Erwachsener kann man schon mal einen Einbruch verkraften (was aber nicht sein muss). Doch gerade Kinder sind schneller weg vom Fenster, als sie sich das vorstellen können. Deshalb verheizen sie die Kinder nicht. Es wäre schade um den Bütten-Nachwuchs.

27. Auch sollten die Vorträge altersentsprechend sein. Machen sie die Kinder nicht älter als sie sind. Lieber etwas jünger und naiver (aber nicht dümmer!) Bedenken sie: Kindermund tut Wahrheit kund. Wenn sie nach dieser Regel eine Rede verfassen, werden sie keine Probleme haben und in Zukunft herrliche Pointen glossieren. In der Büttenredner-Fibel habe ich gerade dem Thema “Kinder- und Jugendbütten” sehr viel Platz eingeräumt. An vielen Beispielen werden sie sehr schnell erkennen können, was falsch und was richtig ist.

28. Auch sollte man es vermeiden, dass Kinder und Jugendliche bis zu einem gewissen Alter über die “Beziehung zwischen Mann und Frau” reden. Ebenso wie die Themen Pille, Pornographie, Sexualität, sogar Knutschen usw. sollten tunlichst vermieden werden. Sie werden mit einem solchen Text das Kind nur unbeliebt machen, denn dem Publikum sind solche Dinge peinlich.

29. Ganz schwierig wird es, wenn das Kind nach einigen Jahren eigentlich kein Kind mehr ist, und auch als solches nicht mehr auftreten will. Es ist aber auch noch nicht erwachsen genug, um als Erwachsene/r akzeptiert zu werden. Hier ist ganz besonders wichtig, dass der Vortrag genau auf das Kind zugeschnitten ist. Immer jünger machen und auch wirken! Niemals Älter!

30. Auch sollte das Äußere (Kleidung, Kostüm) zum Vortragenden und zum Vortrag passen. Das ist bei allen Altersgruppen wichtig. Vermeiden sie es in normaler Straßenkleidung (oder elegant) auf die Bühne zu gehen. Sie haben dadurch schon sehr viel verloren. Wer kann schon über eine schön gebügelte Jeans lachen!

31. So, nun war/kommt der erste Auftritt. Wenn das Publikum sehr ruhig ist, zeugt dies davon, dass man ihnen zuhört. Ganz besonders bei Bühnen-Neulingen kommt dies vor. Das Publikum weiß am Anfang noch nicht, wo es sie einordnen soll und hört ihnen also erst einmal zu. Das ist durchaus nicht negativ zu werten. Jedoch bedenklich wird es erst, wenn ein Lacher kommen sollte und es ist immer noch alles ruhig. Sind sie kein Neuling bei Ihrem Publikum, und man könnte eine Stecknadel fallen hören im Saal, dann haben sie wahrscheinlich einen spannenden Vortrag, von dem man kein Wort versäumen möchte. Oder das Publikum ist tatsächlich eingeschlafen (Scherz am Rande!) Mit den Lachern an der richtigen Stelle – und sie haben gewonnen. Man wird es ihnen mit sehr viel Applaus danken.

32. Außerdem hören sie sich nach ihrem Auftritt beim Publikum um. Oder lassen sie jemanden sich umhören. Wenn man ihnen sagt, sie waren gut, dann muss das nicht immer der Wahrheit entsprechen. Sie waren vielleicht wirklich gut – aber ihr Vortrag nicht!  Oder der Vortrag war zwar gut, aber sie konnten ihn nicht richtig vermitteln. Will man sich vielleicht nur bei ihnen beliebt machen? Oder freut man sich heimlich, dass sie nicht so gut waren wie die anderen Redner? Ob ihre Rede ankommt merken sie selbst, wenn sie auf der Bühne stehen. Wenn das Publikum unruhig wird während ihres Vortrages, so kann es sein, dass ihr Text langweilig ist, und der Zuhörer hat das Gefühl, ihr Vortrag sei zu lang. Dann müssen sie unbedingt ändern, überarbeiten und Schwachstellen streichen und kürzen. Wenn man aber sagt: „Was, schon fertig? Schade, da hätte ich noch eine ganze Weile zuhören können!“ – dann haben sie es geschafft. Dieser Vortrag war kurzweilig und interessant (lustig). Zugaberufe bestätigen dies oder auch die Intensität und Länge des Beifalls. Stehende Ovationen sind das Höchste was ein Redner erreichen kann. Arbeiten sie immer darauf hin.

33. Auch werden sie merken, dass sie bei jeder Veranstaltung ein anderes Publikum haben. Bei der einen Veranstaltung ist das Publikum schnell zu begeistern und bei der anderen Veranstaltung haben sie das Gefühl, man müsste die Zuhörer erst mal kitzeln, damit sie wenigstens ein freundliches Gesicht machen. Aber solche Unterschiede – bei ein und dem selben Vortrag – müssen sie berücksichtigen. Jeder Auftritt sollte so angegangen werden, als sei es ihr erster Auftritt. Geben sie sich vor jedem Publikum die gleiche Mühe, auch wenn sie (oder das Publikum) mal nicht so gut drauf sind. Geben sie trotzdem ihr Bestes! Man wird es ihnen danken.

Und nun noch etwas ganz Spezielles: Viele Redner meinen, dass der Humor bereits in den Büttenreden eingebaut ist! Das ist falsch! Das, was die großen Lacher ausmacht, sind nicht immer die Pointen am Schluss, sondern der Redner selber, und wie er sie rüber bringt! Wenn Sie einen Auftritt eines Büttenredners sehen (live oder im TV) dann stellen Sie sich doch einmal den Text auf Papier vor! Einfach so dahin geschrieben …… und sehen Sie dabei, was gute Redner daraus machen bzw. gemacht haben. Oder überlegen Sie einmal, was man hätte besser machen können.
Sie werden zu der verblüffenden Erkenntnis kommen, dass …..
a) man aus jedem noch so schlechten Text etwas herausholen kann, wenn man ihn gut vermitteln kann

b) nicht jeder Text, der einem beim ersten durchlesen nicht gefällt, auch ein schlechter Text sein muss.

c) an einer Büttenrede nur 10% der Text ausmacht und aber 90% der Redner selbst dazu beisteuern muss!

d) Gestik, Mimik und besonders die deutliche Aussprache das A und O einer Rede ausmachen.

e) Es gibt eigentlich kaum schlechte Texte – es gibt meistens nur Redner, welche unfähig sind, den Text selber zu verstehen und nicht wissen, wie man diesen Inhalt dem Publikum vermittelt

f) Wenn Sie einen Text vor sich haben, mit dem Sie nicht klar kommen, dann versuchen Sie vom Autor eine ausführliche Regieanweisung zu erhalten. Sie werden sehen – nun liest sich die Rede schon ganz anders. Gerade bei ungeübten Rednern, sind solche Hilfestellungen äußerst nützlich.

Verfasser: © Roswitha Rudzinski
Alle die hier beschriebenen Punkte – und noch viele mehr – werden in der Büttenredner-Fibel nochmals ausführlicher erklärt und beschrieben. Auch mit Fallbeispielen z.B. Auftritte
verschiedener Büttenredner und was – warum schief gelaufen ist. Aber es werden auch positive Beispiele angeführt !
Die Büttenredner-Fibel ist auch nicht nur für Büttenredner und Büttenschreiber interessant, sondern sie richtet sich auch an Entertainer und Autoren humoristischer Texte.

Ich arbeite als freie Autorin und veröffentliche meine Texte, (Kurz-) Geschichten, Gedichte und Auszüge meiner Bücher in einigen deutschsprachigen Medien. Ein Nachdruck oder eine Veröffentlichung meiner Texte, auch auszugsweise, ist nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch mich gestattet. Setzen Sie sich bitte bei Bedarf mit mir in Verbindung.
Roswitha Rudzinski
Mitglied im VRdS (Verband der Redenschreiber deutscher Sprache) www.vrds.de
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